Nanofood – Wie uns Lebensmittel alt und krank machen können

Die Schokolade der Zukunft macht nicht dick – selbst der Verzehr von mehreren Tafeln täglich geht ohne Gewichtszunahme der Konsumenten einher. Was heute nach Science-Fiction klingt, ist ein reales Szenario – und wird in Laboren unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt. Tatsächlich ist die kalorienfreie Schokolade mit vollem Schoki-Geschmack nur eine Kreation der Nanofood-Branche. Weltweit mehr als 600 Lebensmittel zählen mittlerweile zum Repertoire einer Industrie, für die es weder gesetzliche Bestimmungen, noch Kontrollmöglichkeiten gibt – und die für den Menschen teils lebensbedrohliche Risiken birgt. Hinzu kommen bis zu 500 Lebensmittelverpackungen, die aus Nanobeschichtungen und -Materialien bestehen.

Tatsächlich kommen die Substanzen in immer mehr Bereichen der Lebensmittelbranche vor – auch dort, wo wir sie gar nicht erwarten. So sollen sie in Erfrischungsgetränken, Chips oder Schokolade den Vitamingehalt erhöhen – ein beliebter Trick, um den Konsumenten den vermeintlich gesundheitsfördernden Nutzen der Produkte zu suggerieren. In Gemüsebrühe, Kochsalz, Gewürzmischungen und Puderzucker wird Nano-Siliziumdioxid als Rieselhilfe eingesetzt. Selbst in Fleisch und Backwaren fanden Wissenschaftler Nanopartikel – in Form von Kapseln mit Vitamin A und E oder Omega-3-Fettsäuren.

Die Winzlinge erweisen sich als nahezu unerschöpfliches Reservoire – und als ultimative Gelddruckmaschine zugleich.

Dabei sind die Risiken enorm – eine wirksame Deklarationpflicht gibt es nicht.

Forscher am Universitätshospital Zürich haben mit Wissenschaftlern der Schweizer Anstalt für Materialforschung (EMPA) bereits im Jahr 2010 nachgewiesen, dass Nanopartikel die Plazenta des Menschen durchdringen und auf diese Weise die Ungeborenen erreichen. Auf kritische Berichte über die gesundheitsschädigende Wirkung von Nanopartikeln reagierten Lebensmittelhersteller noch vor wenigen Jahren harsch: Selbst große öffentlich-rechtliche Sender, die auf Nanofood aufmerksam machten, sahen sich mit Klagedrohungen konfrontiert. Doch seit der viel beachteten Schweizer Studie dürften die Drohgebärden der Vergangenheit angehören. Die Studie belegt: Der Transport von Nanoteilchen im menschlichen Körper erfolgt nahezu ungebremst, und macht auch vor der Plazenta der werdenden Mutter nicht halt. Die im Fachblatt Environmental Health Perspectives veröffentlichte Studie zeigte damit in aller Deutlichkeit, wie sehr ungeborenes Leben durch die Nanotechnologie bedroht werden kann: Die Partikel dringen ungehindert in den Blutkreislauf der Ungeborenen.

Frauenärzte müssen womöglich umdenken und Patientinnen auf Nanoteilchen in Lebensmitteln aufmerksam machen. Den Druck der Lebensmittelindustrie brauchen Ärzte dabei kaum zu fürchten, im Gegenteil. Die rein medizinische Herangehensweise an die Nanofood-Problematik dürfte die Hersteller ohne Gesichtsverlust zum Umdenken bewegen. Denn einen massiven medizinischen Vorwurf kann die Lebensmittelindustrie nach wie vor nicht ausräumen: Klinische Studien nach den hohen Standards der Arzneimittelzulassungen (Phase I – III) gibt es für Nanoprodukte nicht.